3. Werkstatt: Vertrauensarbeitszeit und Teleheimarbeit

Unter dem Titel "Vertrauensarbeitszeit und Teleheimarbeit – gesundheitsförderliche oder ,entgrenzte' Flexibilität?" fand am 19.09.2013 unsere 3. Werkstatt zur Arbeitszeitgestaltung statt.

Vertrauensarbeitszeit birgt Risiken und Chancen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die mit den Stichworten Entgrenzung, „Selbstausbeutung“ oder Zeitsouveränität, indirekte Steuerung der Leistungserbringung oder autonomere Arbeitsablaufgestaltung beschrieben werden. Dabei ist Vertrauensarbeitszeit häufig mit Teleheimarbeit gekoppelt, doch wird Teleheimarbeit auch als eigenständiges Modell angeboten.

Auch wenn diese Arbeitszeitmodelle in etlichen Unternehmen und Institutionen seit Jahren etabliert sind, sind noch viele Fragen offen oder sie werden wieder neu gestellt: Ist z.B. Teleheimarbeit ein Königsweg für mehr Familienfreundlichkeit oder birgt sie nicht das Risiko der Isolation und Auflösung von Arbeitskooperationen? Führt Vertrauensarbeit zu mehr Zeitsouveränität für den Beschäftigten oder erhöht sie den Leistungsdruck und die psychische Belastung? Wie sehen gesundheitsförderliche Lösungen aus?

Einführung

Gabriele Gusia vom RKW Kompetenzzentrum hat zunächst den thematischen Umfang des Themas beschrieben: Wieso beschäftigen wir uns überhaupt mit diesen Themen? Welche Entwicklungen gibt es?

>>> Zum Vortrag von Frau Gusia

Holger Meuler von der Bundesverwaltung Ver.di stellte in seinem einführenden Vortrag dar, welche Bedeutung die Themen Vertrauensarbeitszeit und Teleheimarbeit in der modernen Gesellschaft haben. Wesentliche Bedeutung bei den an der Veranstaltung diskutierten Arbeitszeitmodellen spielen dabei die Wünsche und Anforderungen der Beschäftigten, die sich in den letzten Jahren stark verändert haben. Dank der Digitalisierung werden vom arbeitsort abweichende Arbeitszeitmodelle aber erst realisiert.

>>> Zum Vortrag von Herrn Meuler

Praxisbeispiele

Im Fokus der Arbeitszeit-Werkstatt stand die Diskussion von zwei Praxisbeispielen: Zunächst stellte Herr Neumann, Betriebsratsmitglied von IBM stellte seine Erfahrungen mit Vertrauensarbeitszeit vor. IBM war eines der ersten Unternehmen, wo Vertrauensarbeitszeit von Beginn an gelebt wurde.

Herr Rehm vom Hessischen Sozialministerium erläuterte das Modell der alternierenden Teleheimarbeit. Nach Einführung ist das Modell, wenigstens einen Tag in der Woche von zuhause arbeiten zu können, gerade für Eltern und Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen sehr attraktiv. Das Sozialministerium legt aber bei aller Flexibilität auch feste Regeln fest: Während des Heimarbeitstages muss klar festgelegt werden, wann jemand erreichbar ist. Auch kann nicht jede Aufgabe von zuhause aus bearbeitet werden.

Diskussion

In zwei Diskussionsrunden wurden die Vor- und Nachteile der zwei vorgestellten Arbeitszeitmodelle intensiv diskutiert. Gerade beim Thema Vertrauensarbeitszeit sind Leitplanken notwendig, die die Mitarbeiter vor Entgrenzung und Überarbeitung schützen. Zudem müssen die Aufgaben und Ziele klar definiert sein. Diskutiert wurde auch die Frage, wie mit den gesetzlichen Bestimmungen zur Dokumentation der Arbeitszeiten umgegangen wird: Wie werden Überstunden dokumentiert? Wie wird auf die Einhaltung der Ruhezeiten geachtet? Hier ist eine betriebliche Festlegung auf einen Arbeitszeitraum – bspw. von 7 bis 20 Uhr – sinnvoll.

Teleheimarbeit wird von den Teilnehmern der Werkstatt grundsätzlich positiv gesehen, um die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf zu vereinbaren. Es kann jedoch Neid bei den Kollegen hervorgerufen werden, wenn nicht jeder die Möglichkeit dazu bekommt. Hier müssen daher klare Kritierien benannt werden, wer Anspruch auf einen Teleheimarbeitsplatz bekommt. Neben zu betreuenden Kindern oder zu pflegenden Familienangehörigen könnte dies bspw. auch ein langer Arbeitsweg sein. Was in der Praxis häufig unberücksichtigt bleibt, ist, dass der Arbeitsplatz zuhause nach den gleichen arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften wie der Büroarbeitsplatz gestaltet sein muss. Auch hat der Arbeitgeber die Ausstattung hierfür zur Verfügung zu stellen. Dies hindert gerade kleinere Unternehmen, Vertrauensarbeitszeit anzubieten – oder es wird nicht berücksichtigt.

Das Fazit der Veranstaltung ist: Flexible Arbeitszeitmodelle wie Vertrauensarbeitszeit und Teleheimarbeit können einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf bewirken. Gerade für bestimmte Berufsgruppen und Tätigkeiten können hier gute Lösungen gefunden werden, eine Überprüfung oder ein kritisches Auge sollten jedoch nicht vergessen werden.

Praxisbeispiele

Wollen Sie wissen, wie andere Unternehmen ihre Arbeitszeiten gestalten? Dann durchstöbern Sie unsere Praxisbeispiele!
Zu den Praxisbeispielen

Broschüre

"Kompaktes Arbeitszeitwissen für die Praxis"

Die Broschüre gibt Tipps und Praxis- erfahrungen zur optimalen Arbeitszeitgestaltung.
Zur Broschüre

Beratung?!

Sie sind Unternehmer und möchten ihre Arbeitszeiten optimieren? Wir helfen Ihnen dabei! Zum Beratungsangebot