Erholzeiten und betriebliche (Kurz)Pausen

Pausen während der Arbeit sollen Arbeitsermüdung verhindern oder ausgleichen, sie können sogar eine Leistungssteigerung bewirken. Angesichts der von vielen Beschäftigten wahrgenommenen gestiegenen Arbeitsanforderungen, wie z.B. Termin- und Leistungsdruck, stellt sich die Frage, ob und wie das betriebliche Pausenregime verbessert werden kann.

Die Gestaltung der betrieblichen Pausen (Anzahl, Dauer, Inhalt) gewinnt durch den demografischen Wandel mit einem höheren Anteil älterer Beschäftigter zusätzlich an Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass ältere Menschen im Allgemeinen mehr Zeit für Erholung benötigen als jüngere.

In dem Fachgespräch am 10.05.2014 sollte der arbeitswissenschaftliche Forschungsstand bilanziert und die Bedeutung der betrieblichen Gestaltung von Erholzeiten und (Kurz)Pausen für Unternehmen und Beschäftigte erörtert werden. Folgende Fragen standen im Mittelpunkt des Austauschs:

  • Sind Erholzeiten und betriebliche Kurzpausen eine wirksamer Beitrag zur gesundheits- und leistungsförderlichen Arbeit, insbesondere bei älteren Beschäftigten?
  • Wie sollten diese Pausen gestaltet sein?
  • Gibt es Nachweise dafür, dass diese die arbeitsbedingten Belastungen und /oder Beanspruchungen reduzieren?
  • Gibt es betriebliche Erfahrungen und/oder Good Practice-Beispiele, wie z.B. in Leitwarten?
  • Woran scheitert die Umsetzung im Betrieb?
     

Präsentationen

Zunächst führte Gabriele Gusia (RKW Kompetenzzentrum) zu den Vorarbeiten des RKW im Feld der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung und zu den Zielsetzungen des Fachgesprächs ein. zur Präsentation

Den Stand der Forschung und betrieblichen Umsetzung erörtert Johannes Wendsche, (Dipl. Psych., TU Dresden) in seinem Referat „(Kurz-)Pausen – aktueller Stand der Forschung“. zur Präsentation

In dem zweiten Vortrag präsentiert Dr. Carsten Engelmann seine Studie zu „Auswirkung intraoperativer Kurzpausen – Ein randomisierter klinischer Versuch“ vor, die an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durchgeführt worden ist. zur Präsentation

Diskussion

In der anschließenden Diskussion besteht Einvernehmen, dass gute Arbeitszeit- und betriebliche Pausenregelungen wichtig für die Erholung und Gesundheit der Beschäftigten sind. Allerdings findet man nur in wenigen Unternehmen ein durchdachtes Pausenregime, beispielsweise mit Angeboten zu einer gesundheitsförderlichen Pause. Auch die betrieblichen Rahmenbedingungen der Pausen variieren stark und sind teilweise ungünstig (z.B. Einrichtung der Pausen- und Ruheräume, Gelegenheit zur Kommunikation).

Kurzpausen können in einigen Arbeitsbereichen (z.B. mit vorgegebener Taktung, hohen physischen Belastungen oder hohen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsanforderungen) eine gute Stellschraube sein, Ermüdung vorzubeugen oder abzubauen. Hier können verbindliche betriebliche Kurzpausensysteme sehr sinnvoll sein. In vielen Arbeitsbereichen haben die Beschäftigten aber bereits die Möglichkeit, kurze und individuelle Erholungsphasen selbstständig einzulegen. Unter diesen Bedingungen hätten kollektive Regulierungen wahrscheinlich eine geringe Resonanz. Wichtig ist dann vielmehr, den Beschäftigten Hilfestellung dabei zu geben, wie sie ihre individuelle Erholungsfähigkeit verbessern können, z.B. durch Anforderungswechsel in der Pause (Gymnastik für Bildschirmarbeiter, Ausruhen nach körperlichen Anstrengungen).

Insgesamt gesehen wird die betriebliche Pausengestaltung von den Teilnehmern als eine wichtige, aber nicht dominante Facette der Arbeitszeitgestaltung bewertet. Die Qualität der Schichtpläne, die Dauer und Lage der Arbeitszeit und die Arbeitsbedingungen selbst tragen in den meisten Fällen stärker zur Belastungsminderung bei als eine davon isoliert betrachtete Pausengestaltung.

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