Auftaktveranstaltung "ArbeitsZeitDialog"

Am 22. September 2010 fand in Darmstadt die Auftaktveranstaltung des Projekts statt. Rund 60 Teilnehmer aus Betrieben, Beratung, Wissenschaft und Facheinrichtungen diskutierten über die Möglichkeiten und Potenziale betrieblicher Arbeitszeitgestaltung.

Herr Horst, Referatsleiter beim BMAS, stellte in seiner Begrüßungsrede die Hintergründe des Modellprogramms und Projekts dar. Aufgrund der sich verändernden Arbeitsanforderungen werden innovative Arbeitszeitregelungen immer wichtiger. Um vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu erreichen, sind Praxisbeispiele und Modelle von besonderer Bedeutung.

Die Veranstaltung gab betrieblichen und überbetrieblichen Akteuren die Gelegenheit, miteinander über Themen der Arbeitszeitgestaltung ins Gespräch zu kommen. Grundlage für angeregte Diskussionen in kleineren Dialoggruppen boten ein Vortrag von Frau Prof. Dr. Hellert über die Grundlagen der Arbeitszeitgestaltung sowie vier Impulsvorträge über die Einführung neuer Arbeitszeitregelungen aus der betrieblichen Praxis.

Vortrag zur Arbeitszeitgestaltung

Ulrike Hellert, Professorin an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und renommierte Arbeitszeitberaterin, stellte in ihrem Vortrag die Grundlagen und Gestaltungsoptionen betrieblicher Arbeitszeitgestaltung vor.

Arbeitszeitmodelle können variieren: Sie reichen von Regelungen mit festen Anfangs- und Endzeiten, bis hin zu Lösungen mit großer Flexibilität. Wenn Beschäftigte Gestaltungsspielräume, beispielsweise bei Vertrauensarbeitszeit oder ausgedehnten Gleitzeitkorridoren, erhalten, wirkt sich dies förderlich auf die Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten aus. Davon profitiert unmittelbar die Produktivität.

Praxisbeispiele

Vier interessante Beispiele aus der betrieblichen Praxis und die anschließende Diskussion bildeten den Schwerpunkt der Veranstaltung.

Zeiterfassung und flexible Arbeitszeitkonten

Die Lonkwitz Anlagenbau GmbH & Co. KG aus Wetzlar beschäftigt 34 Mitarbeiter. Lonkwitz ist ein Komplettanbieter für maschinentechnische Anlagen und Komponenten im Bereich der Wasseraufbereitung sowie Spezialmaschinen und Anlagen für die Behandlung komplizierter und chemisch hoch belasteter Industrieabwässer.

Herr Beckmann informierte über die Einführung einer Betriebsdatenerfassung (BDE), die Einführung von flexiblen Arbeitszeitkonten sowie die Anpassung von Arbeitsverträgen an die Erfordernisse innovativer Arbeitszeitgestaltung.

Flexible Arbeitszeiten als Bestandteil der Unternehmenskultur und Erfolgskriterium

Die SMA Solar Technology AG entwickelt, produziert und vertreibt Solar-Wechselrichter und Überwachungssysteme für Photovoltaikanlagen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Niestetal bei Kassel. Weltweit beschäftigt die Unternehmensgruppe mehr als 5.500 Mitarbeiter.

Der Schwerpunkt des Impulsvortrags war die Einführung einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung mit Hilfe eines Gleitzeitmodells und Vertrauensarbeitszeit. Die flexible Arbeitszeitgestaltung ist ein wichtiges Erfolgskriterium für das Unternehmen, bringt neben vielen Vorteilen aber auch "Schattenseiten" mit sich.

4-Schichtsystem zur Steigerung der Produktivität

Das Familienunternehmen OBO Bettermann GmbH & Co. KG (Menden/Sauerland) beschäftigt weltweit mehr als 2.200 Mitarbeiter. Kern des Unternehmens ist die Elektroinstallationstechnik.

Der Schwerpunkt des Impulsvortrags und der Dialoggruppe lag auf der Einführung eines gesundheitsgerechten Schichtsystems in der Feuerverzinkerei, um die Produktivität zu erhöhen.

Flexibel – Arbeiten: Wie Flexibilität erfolgreich macht

Das seit 1905 bestehende Unternehmen GIRA Giersiepen GmbH & Co. KG beschäftigt aktuell rund 950 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Standorten in Radevormwald und Burgwindheim ist einer der führenden Hersteller im Bereich intelligenter elektrotechnischer Gebäudesysteme.

Der Schwerpunkt des Impulsvortrags war die flexible Ausgestaltung der Arbeitszeit, um die Work-Life-Balance der Mitarbeiter zu erhöhen und dadurch das Unternehmen innovativ und erfolgreich zu halten.

Dialoggruppen

Die durch die Impulsvorträge angeregte Diskussion der vorgestellten betrieblichen Praxisbeispiele machte deutlich, dass das Thema Arbeitszeitgestaltung für Unternehmen aller Größenklassen ein "Dauerbrenner" ist.

In den Diskussionen kristallisierten sich drei Schwerpunkte heraus:

  • Neue Arbeitszeitregelungen müssen gemeinschaftlich mit allen beteiligten Parteien entwickelt werden, damit die gefundene Lösung von jedem mit getragen wird.
     
  • Für viele Unternehmen ist es schwierig, die schwankende Auftragslage mit dem gegebenen Personal zu bewältigen. Arbeitszeitkontenmodelle können dabei helfen, Auslastungsunterschiede besser auszugleichen.
     
  • Gerade bei flexiblen Arbeitszeiten ist ein hohes Maß an Vertrauen notwendig. Eine gute "Arbeitszeitkultur" muss somit als Grundlage aufgebaut werden.
     

Natürlich müssen bei der Entwicklung innovativer Arbeitszeitmodelle die gesetzlichen und tariflichen Regelungen, der Arbeits- und Gesundheitsschutz und auch die Wünsche der Beschäftigten berücksichtigt werden. Dass dies in der Praxis nicht immer einfach ist, wurde in den Diskussionen mit den betrieblichen Praktikern bestätigt.

Dokumentation

Eine ausführliche Dokumentation des ArbeitsZeitDialogs mit allen Vorträgen und Diskussionsergebnissen finden Sie hier.

Infos